Fühlen Sie sich angesprochen – Interaktive Plakatwerbung

Mit schnöder Plakatwerbung fällt man heutzutage nur noch selten auf. Die spannendsten Ausnahmen setzen auf den Mitmachfaktor.

Interaktive Plakate Blog Hoods 02

Wenn schon alle Menschen versuchen, der allgegenwärtigen Werbung im Alltag zu entkommen, müssen sich die Werbetreibenden besondere Wege einfallen lassen, um die jeweilige Zielgruppe doch noch einzufangen. Besonders die oftmals eher verstaubt daherkommende Plakatwerbung muss sich da strecken. Wir zeigen an dieser Stelle ein paar Beispiele für echte „Mitmachplakate“, die faszinieren, mobilisieren oder – im Wortsinn – aufschrecken.

DRIEA – Rotsünder (Frankreich)

Die französische Verkehrsbehörde DRIEA sorgte zuletzt für einigen Wirbel. Der Grund: ihr Plakat spielte Fußgängern, die bei rot die Ampel überquerten, das Geräusch einer Notbremsung vor. Das geschockte Gesicht der Verkehrssünder, die mit einem Aufprall rechneten, wurde gleichzeitig fotografiert und auf dem interaktiven Plakat abgebildet. Die Message: „Geh nicht das Risiko ein, dem Tod ins Auge zu blicken“ (klingt zugegebenermaßen besser auf französisch oder englisch). Neben viel Lob, gab es auch einige Kritik an der radikalen Werbemaßnahme. Nicht zuletzt aus Sorge, wie sich diese Art von Erziehung wohl auf Menschen mit Herzproblemen auswirken könnte.

Hjärtat – Viel Rauch um nichts (Schweden)

Auch das schwedische Pharmazieunternehmen Hjärtat nutzte eine Werbefläche, um Menschen ein längeres Leben zu bescheren. Die Firma zielte allerdings nicht auf unachtsame Fußgänger, sondern auf sorglose Raucher ab. Ihr Plakat im Zentrum Stockholms wurde nämlich mit Rauchdetektoren ausgestattet und fing an zu husten, sobald es eine brennende Zigarette in unmittelbarer Nähe entdeckte. Hatte es einmal die Aufmerksamkeit die Glimmstengel-Fraktion präsentierte es verschiedene Nikotinersatzprodukte. Das gefiel sicher nicht jedem, Aufmerksamkeit wurde aber in jedem Fall generiert.

Barncancerfonden – Vom Winde verweht (Schweden)

Nochmal Schweden und nochmal der Versuch Menschen mittels Schockwirkung zu sensibilisieren und zu mobilisieren. Das interaktive Plakat der Schwedischen Stiftung für krebskranke Kinder sollte (nach eigener Aussage) die Haare zu Berge stehen lassen. Ausgestattet mit einem Bewegungssensor reagierte das Plakat auf einfahrende Züge in einer U-Bahn-Station und ließ den Fahrtwind die Frisur eines jungen Mädchens zerzausen. Das war so lange lustig, bis sich die Haare schließlich als Perücke entpuppten und weggeweht wurden. Es folgte eine Einblendung des kahlen Mädchens, ihr Name, ihr Alter (14) und die Information, dass durchschnittlich an jedem Tag Krebs bei einem Kind diagnostiziert wird. Dazu ein Spendenaufruf. Nicht wenige Passanten wird da das Lachen im Halse stecken geblieben sein.

Teddy Bear Museum – Mit Füßen getreten (Südkorea)

Ein interaktives Plakat der anderen Art gab es vor einigen Jahren in Südkorea zu bestaunen. Statt auf ausgeklügelte Elektronik setzten die Macher hier auf transparente Klebematerialien, die sie auf dem Plakat eines süßen Bären anbrachten. Je mehr Menschen über das Motiv liefen, desto sichtbarer wurden Gitterstäbe, die das Tier umgaben. Auch hier hatte das Plakat einen ersten Hintergrund: in Südkorea werden tausende Bären für medizinische Forschung in engen Käfigen gehalten. Eine Tatsache, die in dem Land offenbar bis zu der Plakataktion nicht wirklich bekannt war. Darauf spielt dann wohl auch der Slogan an, der zusammen mit den Gitterstäben nach und nach zu erkennen war: „Wende dich nicht ab von denen, die deine Gleichgültigkeit mit Füßen tritt.“ Ein QR-Code auf dem Plakat führte dementsprechend zu einer Online-Petition für die Abschaffung der Bärenhaltung.

Axe – Alles Gute kommt von oben (England)

Als Klassiker kann man mittlerweile wohl schon die „Fallen Angels“-Kampagne von Axe bezeichnen. Die Deomarke ließ in der Londoner Victoria Station mittels Augmented Reality Engel vom Himmel regnen und mit Passanten interagieren. Das wirkt heute aufgrund der fortgeschrittenen Möglichkeiten vielleicht noch ein bisschen ungelenk, für ein großes Medienecho sorgte es damals aber dennoch. Auch wenn sogar das Video nicht verbergen kann, dass nicht wenige Passanten die Möglichkeit nutzten, um mit den Models zumindest virtuell auf Tuchfühlung zu gehen.

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