Von null auf kreativ

Was tun, wenn der neue Auftrag auf dem Tisch liegt und der leere Bildschirm einen höhnisch anflimmert? Niemand ist jeden Tag kreativ. Kreativität bedeutet immer weiter zu denken und Weiterdenken ist immer anstrengend. Trotzdem erwartet der Kunde (zurecht) bei jedem Job eine persönliche Bestleistung. Und letztendlich erwartet man die von sich selbst auch (oder hat den falschen Beruf gewählt).

Wer sich einen kreativen Job sucht, will der Ödnis der ewigen Wiederholung, dem Dienst nach Vorschrift, der same procedure as every day entgehen und ist doch nicht davor gefeit, sich ab und zu genau nach dieser zu sehnen. Dann grinst einen die weiße Seite an und man wünscht sich einen copy and paste Auftrag oder irgendein Standardformular A 38. Ausfüllen, abschicken, fertig.

Recherchiert man dann zum Thema „Kreativitätstechniken“ bekommt man den Eindruck, dass Kreativitätstechniken sich auch selbst vor allem dadurch auszeichnen, möglichst kreativ und abgefahren zu sein. Das ist an sich natürlich ganz nett, aber wenn der Job bis zum 31. fertig sein muss, können es sich die wenigsten Menschen erlauben, am 28. ein Gruppenmeeting einzuberufen um gemeinsam farbige De Bono - Hüte zu basteln. Gruppenkreativität ist -zumindest nach meiner Erfahrung- auch selten das Problem. Wenn es menschlich passt, inspiriert man sich immer auch gegenseitig, filtert nach 20 Minuten Wahnsinn den Quatsch aus und arbeitet an den guten Ideen weiter, bis sie großartig werden. Kein Ding.

Was aber, wenn das Problem bei dir selbst liegt, die Deadline dir, einem Damoklesschwert gleich, im Nacken sitzt und es einfach nicht klicken will? Unsere Antworten darauf sind eher unspektakulär, aber funktionieren (auch im Büroalltag).

Drauflosschreiben

Natürlich. Das gute, alte Brainstorming. Allheilmittel für jede geistige Blockade und immer noch die einfachste und simpelste Methode. Funktioniert komplett ohne Wochenendseminar und führt im Idealfall am schnellsten zu Ergebnissen. Problem betrachten und alles ungeordnet zu Papier bringen was einem einfällt. Nein, der erste Gedanke ist nicht immer der beste. Aber dann vielleicht der dritte oder vierte.

Anderweitig arbeiten

Ablenkung ist nicht immer schlecht. Hat man sich einmal festgerannt, bringt es nichts stur weiterzugehen. Wird nicht klappen, hat nie geklappt. Stattdessen hilft es, wenn man sich mal für zehn Minuten einem komplett anderem Thema zuwendet. Blumen zum Beispiel wollen gegossen werden und der Abwasch macht sich auch nicht von alleine. Wer für einen Moment mal nicht auf das Problem starrt, bekommt einen neuen Blickwinkel. Netter Nebeneffekt: die Blumen (und die Kollegen) werden es einem danken.

„Fachfremd lesen“

Eine Methode, die zuhause großartig funktioniert, im Büro am besten mit dem Vorgesetzten abgeklärt werden sollte. Wenn es nicht weitergeht, einfach mal kurz nicht weitermachen. Stattdessen beschäftigt man sich für einen Moment mit Dingen, die absolut nichts mit der eigenen Fragestellung zu tun haben. Hier gilt es, wie bei jeder Art von selbstgeschaffener Ablenkung, Maß zu halten. Zwei Stunden Facebook sind am Ende dann eben doch zwei Stunden, die einem beim Projekt fehlen. Das ist natürlich auch Quatsch. Zehn Minuten fachfremde Informationsverarbeitung können aber wahre Wunder bewirken.

Spaziergang

Zugegeben: das muss man sich erlauben können. „Ich laufe mal eben eine Runde um den Block“ kommt nicht immer und überall gut an. Während der Mittagspause sollte es aber in der Regel kein Problem sein und eine neue Umgebung sorgt für neue Impulse. Frische Luft ist natürlich ebenfalls nicht schlecht und überhaupt rückt der Kontakt zur „echten“ Welt das vermeintliche Problemprojekt wieder in den richtigen Kontext und darum geht es ja schließlich.

Dialog

Ohne es mit der Bildsprache übertreiben zu wollen: steckt man in einer kreativen Sackgasse und will ungern umkehren, braucht man jemanden, der einem über die Mauer hilft. Räuberleiterstyle! Wenn einem selbst die Assoziationen ausgehen, haben die Kollegen vielleicht eine Idee. Fremde Ideen muss man natürlich zulassen können, aber jeder Job richtet sich an Menschen. Kann nicht schaden, wenn man zwischendurch mal mit welchen redet.

Mindmap

„Oh nein! Bitte verkneif dir das obligatorische „der Weg ist das Ziel“!“. Ja, tut mir leid. Machen wir es kurz: es gibt einen Ausgangspunkt (dein Auftrag) und es gibt einen Endpunkt (das fertige Projekt). Jetzt suchst Du nach allem dazwischen. Visualisiere den Weg, sammle die Zwischenschritte, derer Du dir bereits sicher bist und schon siehst Du, was noch fehlt. Fühlt sich direkt besser an und ist übersichtlicher, oder?

Geheimwaffe Hund

Eine kleine Bonustechnik, die leider nur für Menschen ohne Tierhaarallergie in Frage kommt: der Agenturhund. Bei Hoods haben wir gleich zwei davon und ein paar Minuten Ballspielen mit der vierbeinigen Qualitätskontrolle hat schon so manche Blockade gelöst. Für mich eine völlig neue Erfahrung. Nur zu empfehlen!

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